Italien 7. - 15. Juni 2026
Das Übliche
Der Wetterbericht hat uns die Entscheidung abgenommen, ob die Reise nach Norden oder nach Süden gehen soll. Die Prognose für Italien ist gut. Für den Anfang also wieder einmal das Übliche: Palmanova. Essen in unserem Lieblingsrestaurant, eine Wanderung entlang der Stadtmauer, ein Glas Wein auf der Piazza.
Mantua in der Lombardei
Mantua. Die Stadt, in die William Shakespeares Romeo verbannt wurde, in der Guiseppe Verdis „Rigoletto“ spielt und Andreas Hofer hingerichtet wurde („Zu Mantua in Banden“ - so beginnt die Tiroler Landeshymne).
Mantua. UNESCO-Weltkulturerbe.
Mantua. Die Stadt der Gonzagas, einer Adelsfamilie, die Paläste erbaute, deren Kunstwerke uns in den folgenden Tagen begeistern werden.
Der Palast des Herzogs
Durch die mittelalterliche Altstadt mit ihren kleinen Gassen und den mit Fresken bemalten Fassaden und Arkaden zu flanieren ist nur das Vorprogramm. Überwältigend ist dann der Besuch des Palazzo Ducale, eine der größten Palastanlagen Italiens.
Da lugt ein Engel über eine Balustrade, ein anderer reckt uns seinen Hintern entgegen. Die Fresken von Andrea Mantegna, dem Hofmaler von Mantua, lassen uns kaum los. Der Blick nach oben lohnt in den kommenden Stunden in jedem einzelnen Zimmer.
Wenn die Gonzagas etwas in Angriff genommen haben, dann aber richtig. Sowohl was die Qualität der Kunstwerke betrifft, als auch die schiere Größe. Über 1000 Räume hat der Palast des Herzogs. Was die Familie und ihre Gäste halt so brauchten. Für Empfänge, für Bälle, für das Alltagsleben. Aber eben auch für die Kunst, die sie in Auftrag gaben, an der hier gearbeitet wurde und die Regenten von Mantua überlebt hat.
Die österreichische Prinzessin der Toskana
Vom 14. bis 17. Jahrhundert wurde am Palazzo gearbeitet und darin gewohnt. Im 18. Jahrhundert kamen dann wir Österreicher, die Habsburger. Hier das Schlafzimmer von Maria Luisa von Österreich, Napoleon Bonapartes zweiter Frau. Sie war Prinzessin der Toskana. Davor schlief hier Maria Beatrice, die Ehefrau von Erzherzog Ferdinand von Österreich.
Das ist kein Wandgemälde
Schaut aus wie ein Fresko, ist aber keines. Erst als wir näher herangehen, erkennen wir die Webstruktur. Was hier wie ein Bilderrahmen wirkt, ist oft Teil des gewebten Stücks.
Durch die Türen von einem Raum des Palazzo Ducale in den nächsten zu gehen, macht nicht nur die Kunst erlebbar, sondern auch die Zeit, in der sie geschaffen wurde. Hier haben Menschen gewohnt, Hof gehalten, an ihren politischen Zielen gearbeitet, Kriege geplant - von einzelnen Schlachten über den Dreißigjährigen Krieg bis zum Spanischen Erbfolgekrieg, der für die Gonzagas das Ende ihrer Herrschaft bedeutete. Sie hatten sich auf die Seite der Franzosen geschlagen, was den Habsburgern gar nicht gefallen hat.
Die letzte Tür führt uns hinaus in die „Hängenden Gärten“, in der Anlage des Palazzo. Gärten der Gonzagas finden sich ganz Mantua. Und überhaupt gibt es in dieser Stadt noch so vieles, das sich entdecken lässt.
Palazzo del Te
Der Herzogspalast, den wir gestern besucht haben, war dem Mann mit dem Hündchen nicht genug. Frederico II Gonzaga wollte mehr und hat Anfang des 16. Jahrhunderts einen weiteren Palast bei dem Maler und Architekten Giulio Romano Auftrag gegeben, - den Palazzo del Te, der außerhalb der Stadtmauern steht.
Giulio Romanos Fresken der römischen Mythologie sind spektakulär. Auf dieser Decke lässt er Apollo den Sonnenwagen und Diana den Mondwagen fahren.
Wir betreten die Halle der Pferde und unterliegen kurz der Täuschung, dass auf dem Türstock ein echtes Pferd steht. Dann der nächste Raum. Warum Frederico II Gonzaga ausgerechnet die Halle der Adler als Schlafzimmer wählte, ist uns unbegreiflich. Beeindruckend ja. Sehr sogar. Aber einschläfernd wirken die riesigen Vögel sicher nicht.
Gigantische Giganten
Ein riesiges Gemälde über den ganzen Raum. Ein einziges Ereignis: Göttervater Jupiter steigt von seinem Thron herab und schleudert Blitze gegen die Giganten, die riesenhaften Ungeheuer der römisch-griechischen Mythologie. Von der Decke über die Wände hinab in die abgerundeten Ecken.
Die Größe des Gemäldes entspricht Größe der Geschichte, die erzählt wird. Und sie wird auf neue Art gezeigt: Auf die Hochblüte der Renaissance, auf Schönheit und Ebenmaß folgen die Hässlichkeit und die Übertreibung des Manierismus.
Die Häuser der Giganten werden von Jupiter (eigentlich Herzog Frederico II selbst) zum Einsturz gebracht. Mit verdrehten Augen und verzerrten Gesichtern schauen Riesen aus den Trümmern hervor.
Es ist erstaunlich, dass wir nach so vielen Stunden noch aufnahmefähig sind. Es ist die schiere Wucht, die uns bannt. Anschließende Besuche im Dom von Mantua und der Basilika Sant’Andrea können das nicht mehr übertreffen. Sehenswert sind die beiden Kirchen natürlich doch.
Sabbioneta - die ideale Stadt
Schon wieder die Gonzagas. 40 Kilometer südlich von Mantua haben sie die „ideale Stadt“ nach den Maßstäben der Renaissance erbauen lassen: Sabbioneta. Einen Übernachtungsplatz finden wir außerhalb der Stadtmauern, nachdem wir uns davor in den engen Gassen der Altstadt verfranst haben.
Sabbioneta ist schön, ein nettes Städtchen. Aber dann wird es spannend. Von außen betrachtet wirkt die Kirche dell’Incoronata wie ein Lagerhaus. Innen überrascht ein kleiner, fast enger Raum, dessen Kuppel aber unendliche Höhe vorgaukelt.
Das moderne Theater
Den Prototyp des modernen Theaters hat Vincenzo Scamozzi geplant. Das Teatro Olimpico macht von außen betrachtet nicht gar so viel her, aber in seinem Inneren eine Aufführung zu erleben, wäre das höchste der Gefühle. Leider wird hier nicht mehr gespielt, aber immerhin kommen wir hinein.
Rein privat
So stellt man sich einen rein privaten Rückzugsort („vita centemplativa“) für einen Herzog (Vespasiano Gonzaga) vor. Mit Deckengemälden, wie diesem und einem Speisesaal, der doch Platz für ein paar Gäste mehr bietet.
Der Blick nach oben
Herzogspal&uaml;ste gibt es in Italien einige. So wie der Palazzo Duccale in Mantua wurde auch der Palazzo Duccale in Sabbioneta von Frederico II Gonzaga errichtet. Erhobenen Hauptes und den Blick nach oben gerichtet - nur so lassen sich die prächtigen Holzdecken mit den Intarsienarbeiten entdecken.
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Cividale
In der Lombardei wird es heiß, wie ziehen zurück in den Norden Italiens. In der friulanischen Stadt Cividale treffen wir uns mit Freunden und genießen entspannte Tage in einer entspannten Stadt.
Giro d'Italia
Zum Santuario di Castelmonte führt eine Etappe des Giro d'Italia. Da können wir mithalten. Tatsächlich begegnen uns auf dem Weg bergauf einige Radrennfahrer, die uns nett grüßen, was nicht selbstverständlich ist, weil wir mit E-Bikes unterwegs sind, - hinauf zum letzten Höhepunkt unserer kleinen, aber sehr beglückenden Italienreise.