Lanzarote 1.1. - 8.1.2013

Wo die Natur als Person auftritt

Vulkane

„Jeder Mensch trägt eine Landschaft in sich. Es ist ein großes Glück sie wirklich zu finden. Ich habe sie gefunden: Lanzarote“. Vielleicht ist unsere Begeisterung nicht ganz so groß, wie sie der portugiesische Autor Jose Saramago, der vor zwei Jahren hier gestorben ist, formuliert hat. Aber zumindest dem Schriftsteller Mario Vargas Llosa können wir ganz und gar zustimmen, wenn er findet, Lanzarote habe eine der originellsten Landschaften, die er je gesehen hat.

Die folgenden Fotos sind auf einer einzigen Strandwanderung entstanden. Was wir gesehen haben ist so vielfältig, dass es nicht wundert, dass der Filmemacher Pedro Almodovar Lanzarote als „außerordentlichen Zufluchtsort, wo die Natur als Person auftritt“ bezeichnet.

StrandStrand

StrandStrand

StrandStrand

StrandStrand

Jörg Haiders Läuse

Standplatz

Im Nordosten der Insel finden wir einen schönen Standplatz am Atlantik. Hier leben viele Deutsche. Im kleinen Ort Mala haben sie hübsche Häuser an hübsche Plätze gestellt. In den Gärten und kleinen Feldern wächst Mais und anderes Gemüse auf dem schwarzen Lavaboden.

Auf Kakteenplantagen in der Gegend um Mala werden Koschenille-Läuse gezüchtet. Die Kolonien von Schildläusen, die auf ihren stacheligen Wirten leben, werden zwei-bis dreimal im Jahr abgeschabt und zu intensiv rotem Pulver vermahlen. Darüber freuen sich alle, die Campari mögen oder teuren Lippenstift kaufen.

Nur Jörg Haider war bei seiner Kampagne gegen den EU-Beitritt Österreichs ins Fettnäpfchen getreten, als er die Schildlaus-Geschichte als besondere Grauslichkeit der Union verkaufen wollte.

SiedlungAnbau

KakteenKakteen

Kitschig oder schön?

Pool

Dass Cesar Manrique freiwillig für Franco kämpfte, macht ihn mehr als unsympatisch. Und die Fotos von den Werken des Architekten und Künstlers, der den „Lanzarotestil“ geprägt hat, sind auch nicht so richtig überzeugend.

Aber die Wirklichkeit hat eine andere Ästhetik. In „Jameos del Agua“, einem Lavastollen mit dem unterirdischen See, den Manrique in den 60er Jahren gestaltet hat, können wir uns dem Zauber dieses Ortes nicht entziehen.

Das Blau des Pools kommt ausschließlich von der Spiegelung des Himmels. Die Lavasteine, die auf seinem Grund liegen dienen nur der Optik. Und das Wasser im Becken leider nur zum Anschauen.

PoolPool

PoolPool

KrebseKrebse

WC

Wie ein Himmel voller Sterne wirkt der unterirdische See mit den vielen Tausend weißen Krebsen, die in ihm leben. Diese „weißen Mönche“ gibt es nur hier. Die kleinen Höhlenkrebse sind in der ewigen Dunkelheit blind geworden und haben alle Farbpigmente verloren.

Im größten Hohlraum des Lavastollens hat Manrique einen Konzertsaal bauen lassen, der auch heute noch bespielt wird. Kitschig oder schön? Auf jeden Fall beeindruckend.

Dass er auch Sinn für verspielte Details hatte, zeigt sich in den Felsluken, die über den Toiletten eingebaut sind. Beim Damenklo sind die Tunnel, durch die man sehen kann, über den Waschbecken eingebaut, bei den Männer über den Pissoirs.

WCWC

LavastollenKonzertsaal

Nackerte

Zum Schwimmen auf Lanzarote braucht es keinen weißen Pool, der von Manrique entworfen wurde. „Entenpool“ oder „Badewanne“ - so wird ein Meerwasserbecken in dem kleinen Ort Charco del Palo genannt. Hier sind angeblich die Frauen seit Urzeiten nackt schwimmen gegangen. Heute hat sich daraus ein FKK-Dorf entwickelt, das das Leben ohne Textilien so ernst nimmt, dass hier die Nackerten sogar im Restaurant sitzen. Auf den Straßen spazieren die Touristen (ursprüngliche Lanzarotenos sieht man hier kaum noch) ohne G'wand. Sehr entspannt das alles. Nicht weit davon finden wir einen schönen Platz inmitten schwarzer Lava zum Übernachten.

PoolStandplatz

Ausblick der Superlative

Ausblick

Wer über den Ausblick schreibt, den man vom Nordkap Lanzarotes hat, schwelgt meist in Superlativen. Reiseführer und Reiseberichte versuchen poetisch zu werden, wenn sie von Mirador del Rio erzählen. Nun - ja, es ist wirklich ein erhebendes Gefühl da oben zu stehen und auf die Meerenge und die gegenüberliegende kleine Insel La Graciosa zu blicken. Mehr gibt es dazu gar nicht zu sagen und die Fotos können die Wirklichkeit nicht abbilden.

Beeindruckend ist aber nicht nur der Blick hinunter, sondern auch das, was Manrique aus diesem ursprünglich zu militärischen Beobachtungszwecken geplanten Aussichtspunkt gemacht hat.

MiradorMirador

Mitte der 70er Jahre galt Mirador als eines der bedeutendsten Bauwerke der Welt. Das ist, wie meist bei den Bauten Manriques, sicher maßlos übertrieben, aber die hamonische Verbindung von Architektur und Natur hat schon etwas. Nicht nur wegen der Aussicht. Von außen ist auch gut erkennbar, wie das Innere der Räume aus Natursteinmauern über Fensterrohre mit Tageslicht versorgt wird. Kitschig oder schön? Wie immer bei Manrique nicht leicht zu sagen. Gelegentlich ein paar Rüschen zuviel vielleicht, aber irgendwie auch zum Wohlfühlen.

MiradorMirador

MiradorMirador

MiradorMirador

Viele Farben: Schwarz

Feld

Die schwarze Insel Lanzarote stimme manche Menschen depressiv, heißt es. Uns stimmt dieses Schwarz recht fröhlich, denn es kontrastiert ja mit vielen anderen Farben.

Auf den Lavafeldern wächst Gemüse in sattem Grün, in den Dörfern blendet das leuchtende Weiß der Häuser, das Meer spiegelt den tiefblauen Himmel wieder und auf unseren Wanderungen sehen wir viele Blumen, die für Farbkleckse in der Landschaft sorgen.

Dazu kommt noch silbrig mattes Grün im Tal der Tausend Palmen nahe des Ortes Haria im nördlichen Teil der Insel. Es wird erzählt, dass jedes Mal, wenn ein Mädchen in dieser Gegend geboren wurde, eine neue Palme wuchs.

HariaHaria

BlumenBlumen

So abwechslungsreich wie die Farben sind auch die Landschaften Lanzarotes. Auf einer einzigen Wanderung, die nicht länger als zwei Stunden dauert, steigen wir ein ausgetrocknetes Bachbett, das dicht bewachsen ist, hinauf, wandern dann entlang der Feuerberge und stehen dann ganz überrascht auf einem Aussichtspunkt mit Blick auf den Atlantik.

HariaHaria

HariaHaria

HariaFelder

HariaHaria


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